Der Empfang war „medial“: Als erstes wurden die Schülerinnen und Schüler der 8d zum Fototermin gebeten, um jedem am Ende des Besuchs eine fiktive Titelseite der AZ mit dem Klassenfoto als Erinnerung mitgeben zu können. Eine Erinnerung an den Besuch der Klasse 8d, zusammen mit den Lehrern Frau Arend und Herrn Adam, bei der Augsburger Allgemeinen.

Der Besuch sollte ein Redaktionsgespräch sowie einen Rundgang durch die Zeitungsherstellung umfassen; für den von ehemaligen Mitarbeitern der AZ geführten Rundgang wurde die Klasse dann in zwei Gruppen geteilt.

In einem Seminarraum erfolgte dann die offizielle Begrüßung durch die Redakteurin Andrea Bogenreuther (vom Sportressort), die sich für diesen ersten Teil des Besuchs, einem Gespräch mit einem Redakteur der Zeitung, zur Verfügung gestellt hatte.

Um den Schülern zuerst allgemeine Informationen über Gründung und Geschichte der Augsburger Allgemeinen, bzw. der Mediengruppe Pressedruck, zu vermitteln, wird ein kurzer Einführungsfilm gezeigt, der über die Entwicklung vom Zeitungsverlag zu einem Medienunternehmen (Print, Online, Rundfunk, TV) mit ca. 4000 Mitarbeitern informiert. Dabei erfahren die Schüler, dass unter dem Dach der Augsburger Allgemeinen insgesamt 24 verschiedene Heimatzeitungen zusammengefasst sind, wie z.B. die Friedberger Allgemeine, mit jeweils eigenem Lokalteil; und dass auch andere Zeitungen gekauft wurden, wie Main-Post und Südkurier. Des Weiteren gehören auch diverse Dienstleistungsservices zum Unternehmen. Die Schülerinnen und Schüler erfahren dabei, wie umfassend der Online-Sektor geworden ist bei gleichbleibender Wichtigkeit der Print-Ausgabe der AZ.

Im Anschluss an den Film entsteht ein gutes Informationsgespräch mit der Redakteurin, das sich vor allem aus Schülerfragen heraus entwickelt.

Überlegungen zur Themensetzung und Fragen zur neutralen Berichterstattung werden hierbei erörtert, genauso wie nach Gehalt und Arbeitszeiten gefragt wird. Vor allem die Pflicht, aktuell zu sein, und der Wunsch, die Leserinteressen zu treffen, werden ausführlich anhand von Beispielen dargelegt. Frau Bogenreuther kann als Sportredakteurin auf Informationen über den FC Augsburg u.a. zurückgreifen, was Schülern einer achten Klasse durchaus näher ist, als komplexe politische oder wirtschaftliche Themen.

Die Redakteurin beantwortet im weiteren Gespräch Fragen zur Redaktionsarbeit, z.B. erfährt man, dass die große Redaktionssitzung mit Beteiligung aller Ressorts meist ca. 30 Minuten dauert, die jeweiligen Ressort-Sitzungen dann wesentlich länger, da hier die Diskussionen zu den Artikeln und zur detaillierten Seiteneinteilung stattfinden.

Die Redakteure haben dann bis spätabends Zeit, ihre Berichte an den Druck zu geben; Ausnahmen gibt es bei außergewöhnlichen Ereignissen: Am Nachmittag und Abend des 11. September 2001 (Terroranschläge in New York und Washington) musste die Redaktion die Ausgabe komplett ändern.

Spätabends, fast schon um Mitternacht, beginnt dann der Druck der Zeitung; auch hier gibt es einen Stopp nur in absoluten Ausnahmefällen, so geschehen bisher einmalig beim Tod von Prinzessin Diana 1997.

Der Druck ist, wie dann der Rundgang durch die Print-Produktion zeigt, ein inzwischen völlig automatisierter und digitalisierter Vorgang.

Der Rundgang beginnt bei dem, was eine Zeitung für ihre Print-Ausgabe immer noch braucht – dem Papier. Zwischen riesigen, insgesamt 400 Tonnen schweren, Papierrollen stehen die Schülerinnen und Schüler, um zu hören, dass täglich, je nach Ausgabe und Beilagen, 25 bis 40 Tonnen davon gebraucht werden und dass das Zeitungspapier zu 85% aus Altpapier besteht, mehr gehe nicht, da es sonst sofort reiße.

Neben Papier ist Druckfarbe nötig, und zwar in denselben vier Farben, wie wir sie von Tintenstrahldruckern kennen – nur in etwas größeren Mengen: Die AZ benötigt eine Farbmenge von 800.000 Euro jährlich.

Schließlich wird den Schülern noch das sogenannte Offset-Druckverfahren anhand eines kleinen Erklärfilms gezeigt, nämlich, wie die dünnen Druckplatten (4000 täglich) hergestellt und ihre Oberfläche bearbeitet wird, damit dann die jeweilige Farbe haftet oder die Stelle weiß bleibt. Pro Zeitungsseite müssen also vier Druckplatten hergestellt werden, die nach ihrem Gebrauch zu 100% recycelt werden, was eine Spezialfirma macht.

Die fertigen Druckplatten werden in die gigantisch großen Druckmaschinen eingelegt, dann kann der Druck von 40.000 Zeitungen pro Stunde beginnen. Die Riesenmaschinen können wegen diverser Gefahren nur durch ein Glasfenster betrachtet und der Ablauf mittels eines Erklärfilms gesehen werden.

Ganz analog und direkt sehen die Schüler dagegen die Offsetdrucker bei ihrer Kontrollarbeit mit dem computergesteuerten Druck, d.h. die Farbbeigebung und -mischung, die permanent anhand von herausgenommenen Zeitungsseiten kontrolliert und ggf. geändert wird.

Am Ende des Rundgangs kommt die Schülergruppe noch durch die Versandanlage und den Postvertrieb und sieht die zum Lesen fertige Zeitung.

Es war ein rundum gelungener Einblick, wie eine Zeitung entsteht und nicht zuletzt wurde auch klar, wie wichtig die freie journalistische Arbeit ist, also die Einordnung von lokalem, nationalem oder gar globalem Geschehen in einen vergleichbaren Kontext, um uns zur Meinungsbildung zu befähigen.

Cornelia Arend