Wenn in einem Schulfach ein neues Thema behandelt wird, gibt es einerseits die altbewährten Unterrichtsmethoden, wie Hefteinträge von Tafelanschriften zu übernehmen, das zu vermittelnde Gedankengut im Zuge eines Lernzirkels zu erarbeiten oder Notizen zu einem Film anzufertigen.

Die Folge ist meistens, dass die Schüler den Stoff zwar lernen, ihn aber spätestens nach drei Unterrichtstunden wieder vergessen haben.

Andererseits gibt es ebenfalls neue und innovative Formen der Wissensvermittlung. Ein Beispiel hierfür ist das „selbstgesteuerte Lernen“. Es eignet sich vorwiegend bei Themen, die die Bildung einer eigenen Meinung gegenüber einem Sachverhalt fordern oder Individualität in der sachgebundenen Erarbeitung einzelner Unterpunkte zu einem Oberbegriff zulassen.

Auch wir, die Teilnehmer am katholischen Religionsunterricht der Klassen 9A und 9D von Frau Illner, haben im vergangenen Halbjahr die oben beschriebene Unterrichtsform in sechs Stunden durchgeführt. Dabei unterteilten wir in der Klasse zunächst das Thema „Liebe und Sexualität“ in einzelne Bereiche, wie zum Beispiel „Sexualität in den Medien“ oder „Liebe und Sexualität in der Jugend“, und fanden uns anschließend in kleineren Gruppen ein, die in den Folgestunden jeweils einen Inhalt genauer erarbeiten sollten. Hierfür nutzten die meisten Schüler digitale Nachschlagewerke, sowie Bücher. Am Ende jeder Stunde erfolgte eine persönliche Beurteilung, ob die zu Beginn der Stunde formulierten Lernziele erreicht wurden und wie effizient gearbeitet wurde. Ferner wurden Verbesserungsvorschläge für den darauffolgenden Abschnitt aufgestellt. Im vorletzten Abschnitt unseres Projekts stand vornehmlich die Gestaltung von Plakaten zu den einzelnen Materien im Vordergrund. Damit gewährleistet werden konnte, dass alle Schüler schließlich den gleichen Wissensstand aufweisen, unternahmen wir in der abschließenden Unterrichtseinheit einen sogenannten „Gallery-Walk“, bei dem sowohl die Plakate im Klassenraum ausgestellt wurden, als auch den Jugendlichen die Möglichkeit geboten wurde, an Vorträgen zu jedem Plakat teilzunehmen. Dazu hielt jeweils ein „Experte“ ein Kurzreferat, in dem er die Inhalte seiner Gruppe, den anderen vortrug. Um den kompletten Stoff des Themengebietes verinnerlicht zu haben sollte am Ende jeder Schüler sowohl Vorträge zu allen Plakaten gehört haben als auch selbst als „Experte“ tätig gewesen sein.

Uns, meinen Mitschülern und mir, hat diese Unterrichtsform ausgesprochen gut gefallen. Dies lässt sich in erster Linie darauf zurückführen, dass wir frei in der Themenwahl entscheiden durften. Dadurch war gewährleistet, dass jeder genau die Rubrik behandeln konnte, für die er oder sie sich interessiert und nicht das, was durch die Kapitelaufteilung unseres Schulbuchs vorgeschrieben wird. Weit über die Hälfte aller Jugendlichen gab darüber hinaus an, dass sie mehr als im konventionellen Unterricht gelernt haben und es weniger wahrscheinlich sei, dass das angeeignete Wissen vergessen werden würde. Abschließend lässt sich festhalten, dass „selbstgesteuertes Arbeiten“ durchaus – je nach Thema – sinnvoll sein kann und deshalb eine mögliche Unterrichtsalternative darstellt.

                                                                                                                     von Philipp Kilg,9 A