Am diesjährigen Kulturtag fand – wie auch im letzten Schuljahr – für die zehnte Jahrgangs-stufe ein Planspiel zu einem aktuellen Thema statt, das alle EU-Bürger und Politiker intensiv beschäftigt: die Asyl- und Migrationspolitik.

Die Europäische Akademie Bayern und das EU-Büro `europe direct´ Augsburg gaben den Schülerinnen und Schülern der zehnten Jahrgangsstufe die einmalige Gelegenheit, die aktuelle Situation durchzuspielen: die Schülerinnen und Schüler lernten die Inhalte und Abläufe politischer Prozesse auf EU-Ebene kennen, entwickelten selbst Strategien und diskutierten, um eine kompromissfähige Lösung zu finden.

In dem Planspiel mutierten die Schülerinnen und Schüler zu Entscheidungsträgern der EU und erfuhren, welche Ansprüche die Politik an ihre Verantwortlichen stellt, die dem Asylrecht gerecht werden muss, eine menschenwürdige Migrationspolitik bestreiten möchte und gleichzeitig die Errungenschaften der Europäischen Einigung erhalten will.

In simulierten Sitzungen des EU-Ministerrats kamen die Jugendlichen miteinander in den Dia-log und rangen als EU-Außenminister, um gemeinschaftliche Lösungen zu finden und Maßnah-men zu ergreifen.

Die Teilnehmenden erfuhren dabei natürlich auch die Möglichkeiten und Grenzen nationaler Interessendurchsetzung vor dem Hintergrund einer notwendigen multinationalen Regelung – kurzum sie mussten damit fertig werden, dass einzelne Staaten zunächst ein kategorisches Nein verlautbaren ließen oder andere Staaten ganz klare Forderungen in Form finanzieller Ausgleichszahlungen stellten. Wieder andere Schüler alias Außenminister eines EU-Staates hatten die zugewiesene Rolle eines ausgleichenden Vermittlers oder eines Vertreters, der historische Kenntnis und damit politische Weitsicht mitbringt.

Es waren also exemplarisch alle bekannten gegenwärtigen Positionen der EU-Mitgliedsländer vertreten, entsprechend ging es während der Verhandlungen zu: da wurde geschachert und gepokert, sachlich argumentiert und emotional reagiert, ruhig formuliert und laut gekontert.

Das Planspiel erreichte die gesteckten Ziele: laut anschließender, anonymer Befragung der Schülerinnen und Schüler haben sie Verständnis für die komplexen politischen Verhandlungs- und Entscheidungsprozesse sowie Lösungsstrategien gewonnen.

Am wichtigsten aber ist, dass ca. eine Dreiviertelmehrheit bei der Umfrage betonte, dass es kurzweilig war und Spaß machte.

Cornelia Arend