Im Rahmen unseres Geschichtskurses machten wir mit Frau Arend, unserer Kursleiterin, Anfang Oktober einen Ausflug ins Stadtarchiv Augsburg im Textilviertel. Dort bekamen wir von einem jungen Mitarbeiter eine Führung durch die Räumlichkeiten des Archivs und einen tieferen Einblick in dessen Aufgaben und Schriftbestand.

Im Stadtarchiv Augsburg werden alle für die Stadt historisch wichtigen Dokumente und Schriftstücke gelagert. Dazu zählen z.B. Urkunden oder Verträge, aber auch Landkarten bzw. Stadtpläne und kleinere Schriften wie Tagebücher oder Briefkarten. Schriften wie Tagebücher liefern eine gute Ergänzung zu den formalen Unterlagen, da sie Informationen über die Werte und den Glauben der Menschen in früheren Jahrhunderten festhalten.

 Dieältesten Schriftstücke im Stadtarchiv Augsburg reichen bis ins 11.Jahrhundert und sind somit bis zu 1000 Jahre alt. Damals begann man Verträge schriftlich abzuschließen, davor passierte dies mündlich.

Papier war jedoch nicht immer so einfach zugänglich und erhältlich wie heutzutage. Von der Antike bis ins Mittelalter wurde erst Papyrus, dann Pergament, das aus Tierhäuten hergestellt wurde, verwendet. Da diese Materialien sehr kostbar waren, wurden nur die wichtigsten Ereignisse festgehalten. Dies änderte sich mit der Entwicklung in der Herstellung von Papier. In der Mitte des 14. Jahrhunderts konnte Papier aus Lumpen alter Kleider und Stoffen in Papiermühlen produziert werden. Dies ermöglichte den Menschen mehr Aufschriebe zu machen und zum Beispiel ganze Gerichtsverhandlungen aufzuzeichnen. Die Erfindung des Holzschliffs in der Mitte des 19. Jahrhunderts ermöglichte es dann, günstiges Papier aus Holz in einer Vielzahl herzustellen. Im Stadtarchiv sind diese Veränderungen anhand von Exemplaren deutlich erkennbar.

Die Archivbestände sind für jeden Interessierten zugänglich. In einem extra angelegten kleinen Saal mit technischer Ausstattung wird den Besuchern eine allgemeine Lese- und PC-Recherche ermöglicht. Vor allem interessiert sind Forscher und Historiker; Kunsthistoriker untersuchen z. B. verschiedene Lederprägungen, während Familienforscher bzw. Erbforscher hohen Wert an Geburts- sowie Sterbe- und Eheurkunden finden, da sie damit mögliche Verwandte auffindbar machen können. Geburtsurkunden werden nach 110 Jahren vom Standesamt an das Archiv weitergegeben und dort verwahrt. Für viele Dokumente wie Baupläne oder Grundstücksverträge besteht außerdem ein Rechtscharakter.

Bevor Dokumente im Archiv verwahrt werden, müssen sie erst sortiert und gereinigt werden. Dafür gibt es eine sogenannte Restaurierungswerkstätte. Dort werden jegliche Heftklammern entfernt, da diese rosten könnten und es wird eine spezielle Absauganlage verwendet, um Staub und Schmutz zu entfernen.

Für die anschließend richtige Lagerung der Gegenstände sind eine Temperatur von 18 bis 20 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 50 bis 55% notwendig. Diese Bedingungen werden durchgängig gemessen und reguliert. Pergament und Leder beispielsweise würden bei einer zu trockenen Lagerung spröde werden, bei einer zu hohen Luftfeuchtigkeit können Schriften wiederum anfangen, Schimmel zu bilden.

Im Anschluss an unsere Führung untersuchten wir in Kleingruppen verschiedene historische Dokumente und fanden ihre Bedeutung heraus. Es war sehr interessant, so alte Dokumente zu untersuchen. Um die unwiederbringlichen Stücke zu schonen, verwendeten wir weiße Stoffhandschuhe. Beispielsweise lasen wir einen Gesellenbrief aus dem 14. Jahrhundert und entnahmen ihm alle relevanten Informationen über die Lehre eines tüchtigen Gesellen. Auch untersuchten wir ein Buch mit einer Auflistung aller Handwerker. Im Zusammenhang mit einem Vertrag von Kaiser Ludwig dem Bayer aus dem Jahr 1322 lernten wir, dass von hohen Persönlichkeiten meist nur rote Siegel verwendet wurden.

Es war sehr beeindruckend zu sehen, wie lange auch kleinere Dokumente aufbewahrt werden und inwiefern das Gut verwendet wird, um die Geschichte von Augsburg zu ermitteln bzw. festzuhalten.

Ich befragte einige meiner Mitschülerinnen und Mitschüler zu unserem Ausflug ins Archiv. Luisa D. meinte: „Am interessantesten fand ich die Arbeit mit den Schriften, als wir herausfanden wofür und wie alt sie sind. Außerdem fand ich beeindruckend wie alt viele der dort gelagerten Bücher und Schriften sind.“ Auch Susanne B. empfand die Herausforderung die Schriftgüter zu lesen als Highlight. „Ich fand es cool und lustig, alte Schriften zu entziffern, (…)“, äußerte sie sich, „so konnte ich einen tieferen Einblick in die Geschichte Augsburgs bekommen“. Niklas H. sieht den Besuch als eine gute Erweiterung zum regulären Geschichtskurs. „Am Stadtarchiv Augsburg fand ich besonders bewundernswert, dass private Personen zu allen Werken den Zugang erhalten und diese Werke auch entsprechend gut erhalten geblieben sind“, sagte er. Die „hochmoderne Ausstattung des Gebäudes und das Lagersystem“ sind ihm zudem im Gedächtnis geblieben.

Im Bezug auf die moderne Welt der Technik finde ich persönlich besonders interessant, wie sich die Art der Aufzeichnungen im Laufe der Jahrzehnte verändert, bzw. weiterentwickelt hat. Das Internet und verschiedene technische Geräte können unzählige Informationen speichern. Nachfolgende Generationen werden auf diese Weise viel umfassendere und vor allem eine gewaltige Anzahl von verschiedenen Informationsquellen zur Ermittlung von Geschichte zur Verfügung haben.

Uns Schülern wurde schließlich ganz klar, dass das, was wir heute tun, schon morgen unsere Geschichte ist. In einiger Zeit wird unsere Existenz Vergangenheit sein und was bleibt, ist unsere Geschichte, verwurzelt in dem, was wir heute auf der Welt hinterlassen.

Victoria D., Q11