Im Unterricht erworbene Erkenntnisse durch das Wandeln auf archäologischen Spuren zu vertiefen, gehört schon seit Langem zu den wichtigen Säulen des Lateinunterrichts. Und so zog es die Lateiner der 8. Klassen Mitte Mai ins mittelfränkische Ruffenhofen, wo sich – eigentlich unscheinbar inmitten landwirtschaftlich genutzter Flächen gelegen – ein beeindruckender Römerpark befindet. Schließlich lautet eine wesentliche thematische Einheit unseres Lateinbuchs dieser Jahrgangsstufe „Rom stößt an seine Grenzen“. Und genau an dieser Grenze, damals der rätoromanische Limes, hatten die Römer zahlreiche Lager und Kastelle zur Sicherung des Reiches errichtet, eines davon in der Nähe des heutigen Ruffenhofen.

Die Schüler wurden durch die Ausstellung im extra für den Römerpark erbauten Museum geführt und erhielten zahlreiche Informationen über den Verlauf des Limes und insbesondere über das Leben in und um das Römerlager in der Nähe von Ruffenhofen in alten Zeiten. Dies wurde nicht nur mit Fundstücken und Miniatur-Modellen veranschaulicht, sondern auch in modernster 3D-Filmtechnik mit rekonstruiertem Lager aufbereitet präsentiert. Manch ein Schüler schlüpfte sogar in die Kleidung eines damaligen Soldaten.

Damit die Schüler nicht nur Informationen mit nach Hause nahmen, stand dann ein Workshop auf dem Programm: Alle durfte sich ihre eigenen Münzen nach antikem Vorbild aus Knetmasse formen und daraufhin mit klassischen Motiven prägen. Dabei erfuhren sie auch einiges über die Bedeutung von Münzen in der Antike. Nach dem Prägen wurden die gefertigten Münzen im Ofen gebacken, sodass letztlich jeder seine Erinnerungsstücke an den Ausflug in die alte Welt in Händen halten und mitnehmen konnte.

Um die Wartezeit zu verkürzen, durften sich diejenigen Schüler, die gerade nicht formten und prägten, an antiken Spielen wie „Rundmühle“, „Fuchs und Hasen“ oder zahlreichen Würfelspielvarianten probieren. Beim Zusammensetzen von Scherbenpuzzles konnten sie auch in die Rolle von Archäologen schlüpfen.

Im Anschluss galt es, das gute Wetter zunutzen und die Gefilde des antiken Römerlagers und des umliegenden vicus – so wird die Siedlung mit all ihren Einrichtungen genannt, die in der Nähe von Römerlagern entstand – im Rahmen eines kleinen Forschungs-Spaziergangs zu erkunden. Ein kurzer Halt am Römerspielplatz musste natürlich auch sein.

Wer sich nun aber auf aus der Erde ausgegrabene Stein- und Mauerreste eingestellt hatte, wurde enttäuscht. In Ruffenhofen wurde ein ganz anderer Weg beschritten, die Fundamente des alten Lagers in Szene zu setzen: Dort, wo einst Mauern oder Gebäude in den Himmel ragten, pflanzte man Hecken, Büsche und Blumenwiesen verschiedenster Art. So konnte der natürliche und unscheinbare Charakter inmitten der Felder gewahrt werden; trotzdem werden die Dimensionen der antiken Anlage auf sehr beeindruckende Weise sichtbar. Alte Gemäuer werden im wahrsten Sinne des Wortes zum Leben erweckt, gerade im Frühjahr und Vorsommer, wenn die Natur aus dem Winterschlaf erwacht.

Matthias Nusko