Anfang Februar besuchte Herr Vogelgsang, ein Sprachwissenschaftler der Universität Augsburg, unsere Klasse. Passend zu unserem Unterrichtsthema Sachtextanalyse am Beispiel von Bastian Sicks „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ sollte er den Autor kritisch betrachten und uns die Sichtweise eines Sprachwissenschaftlers näherbringen. „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ ist eine Zusammenstellung von Kolumnen, die Sick zunächst für spiegel-online geschrieben hat und die ab 2004 in mehreren Bänden als Sammlungen veröffentlicht wurden. In dem Buch zeigt der Autor auf unterhaltsame Weise Kuriositäten der deutschen Sprache auf und versucht Klarheit in bestimmte Bereiche der Grammatik zu bringen.

Zunächst fand Herr Vogelgsang lobende Worte für Sicks sehr unterhaltsamen Schreibstil, der die Auseinandersetzung mit der deutschen Grammatik sehr viel einfacher und lustiger macht. Scharfe Kritik übte er dann aber insbesondere an den nicht immer verständlichen und teilweise sogar falschen Erklärungen und Aussagen des Autors. Er warf Sick vor, einen Tunnelblick zu haben, da dieser sich lediglich an den Regeln der schriftlichen Sprache orientiere. Außerdem bewerte Sick Dinge als richtig oder falsch ohne zuklären, ob er beispielsweise von schriftlicher, mündlicher, sachlicher oder alltäglicher Sprache ausgeht. Seine Aussage bestärkte Herr Vogelgsang, indem er mit Unterstützung einer Powerpointpräsentation unter anderem einen Einblick in die Entwicklung der Sprache gab. Ursprünglich sei Sprache lediglich ein Mittel zur Kommunikation gewesen, und zwar mit dem einzigen Kriterium, dass die Intention klar ersichtlich war. Solange die Verständlichkeit gewährleistet gewesen sei, habe es also kein richtig oder falsch gegeben. Außerdem argumentierte er, dass sich Kinder Sprachen durch Imitation und passives Lernen aneignen würden, wodurch sich die Regeln der Sprache automatisieren würden und jeder Muttersprachler somit „perfekt“ spreche. In der Schule würden die sprachlichen Mittel dann ausgebaut und man lerne, welche Mittel für welchen Zweck angemessen seien, beispielsweise, dass in sachlichen Texten keine Umgangssprache verwendet werden solle. Hier könne man also zum ersten Mal von richtig oder falsch sprechen, allerdings nur für bestimmte Zwecke und mit der Frage: Was ist hier angemessen, gut oder schlecht?

An dieser Stelle kam Herr Vogelgsang wieder auf sein Problem mit Bastian Sick zurück. Der Autor beurteile Dinge als richtig oder falsch, ohne seinen Standard zu nennen. Wenn Sick von sachlichen Texten spreche, können andere Dinge richtig oder falsch sein als im alltäglichen Sprachgebrauch. Außerdem sei die schriftliche Sprache sehr viel komplexer als die mündliche, und somit kann man die Regeln nicht einfach verallgemeinern. Als Journalist spezialisiere sich Bastian Sick vor allem auf den schriftlichen Sprachgebrauch.

Letzten Endes lautete der Appell also, nicht alles, was Sick schreibt, für bare Münze zu nehmen, sondern seine Ausführungen zu hinterfragen und zu überlegen, von welcher Sprachverwendung überhaupt die Rede ist.

Muna Weber, Lydia Wagner, beide 10B